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Betonieren unter Wasser

17.11.2016 | Ende August begann das Felbermayr-Tochterunternehmen Hagn Umwelttechnik mit der Sanierung des trapezförmig ausgeführten Alzkanals im Südosten von Deutschland. Dabei kam ein patentiertes System zur Kanalabdichtung zum Einsatz. Unterstützt wurde das Projekt durch die Felbermayr-Bereiche Spezialtiefbau sowie Kranverleih und Bühnenvermietung.
Kanalsanierung an der Alz unter Wasser. © Felbermayr/Lackner © © Felbermayr/Lackner

Rund 18 Kilometer schlängelt sich der Alzkanal von Hirten bis Burghausen, um nach dem Passieren des  Kraftwerks in die Salzach eingeleitet zu werden. Mit dem Bau des Kanals wurde 1916 begonnen. Einige Abschnitte dieses für die Kühlwasser- und Stromversorgung des Industriestandortes Burghausen genutzten Bauwerks wurden bereits in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich saniert. Das jedoch sei die umfangreichste Sanierung aller Zeiten, weiß Michael Altschäffl von der Hagn Umwelttechnik zu berichten: „Wir haben den Auftrag für die Abdichtung eines etwa 1,5 Kilometer langen Teilstücks bekommen. Dabei kommen sogenannte Incomatmatten zum Einsatz“. Diese Matten ähneln einer überdimensionalen Luftmatratze und werden im Anschluss an das Verlegen an der Kanalsohle sowie den seitlichen Böschungen mit einem speziell fließfähigen Beton befüllt und bilden somit eine zweite Haut über der ursprünglichen Abdichtung.

Patent für Sohlenabdichtung

Eine besondere Problemstellung war aufgrund der hydrogeologischen Gegebenheiten vorhanden. So war etwa gut die Hälfte der zu sanierenden Strecke bis zu 1,7  Meter unter dem Grundwasserspiegel. „Deshalb gab es bis dato keine Möglichkeit den Kanal an dieser Stelle zu sanieren, denn ein Abpumpen des nachströmenden Grundwassers wäre nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand möglich gewesen. Erst durch den Einsatz der Incomatmatten und unseren Möglichkeiten unter Wasser betonieren zu können, gelang es, den Kanal zu sanieren und wieder abzudichten“, erklärt Altschäffl. Bevor allerdings die Arbeiten beginnen konnten, mussten noch  die vorhandenen Sedimente aus der Kanalsohle entfernt sowie die Böschungen von Algen gereinigt werden. Während der Kanalentleerung wurden Tausende Flossenträger abgefischt – diese bekamen in der Alz eine neue Heimat.

Verlegerampe für Kanalsanierung

Voraussetzung für das korrekte Verlegen der maßgeschneiderten Incomatmatten im trapezförmigen Kanalbett war die Herstellung einer Verlegeeinheit. „Diese Plattform wurde speziell in Bezug auf die Querprofile des Kanals entwickelt und in weiterer Folge mittels autocad gezeichnet. Die technische Umsetzung wurde in der Felbermayr-Werkstätte in Wels realisiert“, schildert Altschäffl den langwierigen Prozess des Projektes. Eine besondere Schwierigkeit dabei waren auch die wechselnden Breitenverhältnisse und Kurvenradien des Kanals. Letztendlich war es aber gelungen eine Verlegeeinheit zu bauen, die allen Anforderungen gerecht wurde. „Da das Zusammenbauen der Rampe im Wasser aufgrund des hohen Grundwasserspiegels nur durch den Einsatz von Tauchern möglich gewesen wäre, haben wir uns entschieden, die Einheit am Ufer vorzufertigen und mittels Mobilkränen einzuheben“, erläutert Altschäffl den Vorgang, bei dem Hebetechnik von Felbermayr und Wimmer zum Einsatz kam. Das Gesamtgewicht der Stahlkonstruktion betrug etwa 40 Tonnen. Inklusive der betongefüllten Incomatmatten auf der Rampe der Verlegeeinheit waren es insgesamt 60 Tonnen. Als Zuggerät kam ein Hydraulikbagger zum Einsatz. Auf diese Weise wurde ein etwa 1.000 Meter langer Kanalabschnitt unter Wasser und ein etwa 500 Meter langer Abschnitt im Trockenen abgedichtet. „Dank der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter und unserer Erfahrung kamen wir gut voran“, freut sich Altschäffl über die erfolgreiche Premiere.

Spezialtiefbau 

Für die Ertüchtigung eines Dükers sowie dem Beruhigungsbecken kam der Felbermayr-Bereich Spezialtiefbau zum Einsatz. Dabei ging es um das Verpressen von Rissen sowie die örtliche Schadstellenbeseitigung mittels Spritzbeton. Unterstützung fanden die Arbeiter durch die Beistellung vom Felbermayr-Bühnenverleih.

Ende Oktober konnten die Arbeiten nach etwa sechswöchiger Bauzeit abgeschlossen werden.

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Markus Lackner

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Hagn Umwelttechnik GmbH · Franz-Hagn-Straße 5 · D-82140 Olching · www.hagn-umwelttechnik.de
20.07.2018