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Klärschlammdeponie wird Naherholungsgebiet

05.08.2015 | Im Jahr 2009 begann das Felbermayr-Tochterunternehmen Hagn-Umwelttechnik mit den Sanierungsmaßnahmen der Klärschlammdeponie im Norden von München. Dabei wird auf einer Fläche von etwa 17 Hektar eine neue Abdichtung hergestellt und somit künftig die Bildung von Sickerwasser vermieden. Dadurch wird zum einen die kostspielige Wartung des Drainagesystems obsolet und zum anderen auch ein wertvolles Naherholungsgebiet geschaffen.
Die Fertigstellung der Baustelle ist für 2017 geplant.

Bis 2005 wurde auf der Deponie Nord der Klärschlamm der beiden Münchner Klärwerke gelagert und anschließend mit einer Schicht aus Roh- und Oberboden sowie Lehm abgedichtet. Die bodenseitige Abdichtung erfolgte mittels Asphaltwanne. Da die Lehmschicht aber zum Teil durch die Vegetation durchbrochen wurde und somit vermehrt Sickerwasser in das dadurch überlastete Drainagesystem gelangte, war eine Sanierung nach dem heutigen Stand der Technik unausweichlich.

 

Innovative Deponieabdichtung

 

„Wir haben derzeit 35 schwere Geräte im Einsatz“, sagt Bauleiter Thomas Henninger von der Hagn Umwelttechnik. Das Angebot reicht dabei von bis zu 20 Kubikmeter fassenden Gelenksmulden bis hin zu 15 Tonnen schweren Walzen, GPS-gesteuerten Baggern und Planierraupen sowie mobilen Brechanlagen zur örtlichen Herstellung von benötigtem Drainagematerial. Aber auch eine Mischanlage zur Produktion von Bentokies wurde errichtet. „Dieses Material ist auch das Herzstück der sieben Schichten umfassenden neuen Deponieabdichtung“, erklärt Henninger. Dabei handelt es sich um ein in der Natur vorkommendes Tonmineralgemisch, das mit Kies veredelt wird. Dieses Material ist wasserundurchlässig und hat eine hohe Quellfähigkeit. „Somit können sich beispielsweise durch Bodenbewegung entstehende Risse ohne maschinellen Eingriff von selbst wieder verschließen“, erklärt Henninger die Vorteile dieses innovativen Baustoffs. Die erste der sieben Schichten oberhalb des Deponats ist aber eine Ausgleichs- und Tragschicht aus Klärschlammmasche. Darüber folgt eine kapillarbrechende Schicht aus mineralischem Material und darüber die eigentliche Abdichtung aus zwei Lagen Bentokies. Darüber ist die Dränschicht aus Kies, welche ankommendes Oberflächenwasser kontrolliert abführt. Darauf aufbauend folgt die drei Meter hohe Rekultivierungsschicht, bestehend aus hochverdichtetem Kies als Wurzelhemmer sowie Roh- und Oberboden. „Diese Schichtdicke wurde gewählt, um ein erneutes Durchwurzeln der Abdichtung zu verhindern“, erklärt Henninger. Bei den eingesetzten Materialien handelt es sich vorwiegend um sogenannte Deponieersatzbaustoffe, wie zum Beispiel gebrauchten Gleisschotter, Bauschutt und Straßenaufbruchmaterial. Das ist möglich, weil die Dichtungsschicht alles Darunterliegende zuverlässig verschließt. Als letzter Arbeitsschritt erfolgt die Begrünung. Dabei wird auch schon die Nachnutzung als Naherholungsgebiet umfangreich berücksichtigt.

 

Nachsorge

 

Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für 2017 geplant. Dann wird es noch einige Jahre dauern, bis ein Großteil des Sickerwassers aus dem Deponiekörper über das Dränsystem abgeschieden sein wird. Ab dann soll auch die aufwendige Behandlung im nahegelegenen Klärwerk deutlich reduziert werden. Anfallendes Oberflächenwasser wird über die Begleitgräben des Deponiewegenetzes bis zu eigens dafür vorgesehenen
Versickerungsbecken geleitet. Bis aber die Deponie als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung freigegeben werden kann, werden nach Ansicht der Münchner Stadtentwässerung noch einige Jahrzehnte vergehen. Dann allerdings wird dem 30 Meter hohen Hügel seine Vergangenheit nicht mehr anzusehen sein. Standorttypische Baumarten werden sich mit heimischen Sträuchern und Magerwiesen abwechseln. Erholungssuchenden wird somit der Blick auf das nahegelegene Fußballstadion und die Alpen aufgewertet – aus einer ehemaligen Klärschlammdeponie entsteht eine Kulturlandschaft. Somit ist die Sanierung der Klärschlammdeponie nicht nur ein technisch anspruchsvolles Projekt, sondern bietet auch für Fauna und Flora in Form von Rückzugsgebieten und Flächengewinn erheblichen Mehrwert für viele Generationen.

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Autor

Markus Lackner

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22.04.2019