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„David“ und „Goliath“ für Kanalsanierung vereint

28.12.2018 | Hagn Umwelttechnik hat wieder einmal mit Innovationsgeist eine Lösung gefunden. Die Problemstellung waren Undichtheiten beim Isarkanal unweit der Ortschaft Eitting im Nordosten von München.
Bedingt durch Temperaturunterschiede im Bereich des Tunnels war der Kanal undicht geworden. © Michael Herzog

Ähnlich einem Bypass zweigt der Mittlere-Isar-Kanal nördlich von München von der Isar ab, schlängelt sich rund 64 Kilometer durch Oberbayern, um bei Landshut wieder in die Isar zu münden. Dazwischen liegen rund 100 Meter Gefälle, welche für die Stromerzeugung genützt werden. Mit dem Bau wurde 1919 begonnen. Bedingt durch einen unter dem Kanal durchgeführten Straßentunnel kam es in der Vergangenheit unweit der Ortschaft Eitting zu Undichtigkeiten an der Kanalsohle. Deswegen wurde entschieden, den Werkkanal im Bereich des Eittinger Tunnels mit einer zusätzlichen Abdichtung auszustatten. Dazu der Projektleiter der Hagn Umwelttechnik Michael Altschäffl: „Im Winter, wenn es kalt wird, entstehen große Temperaturunterschiede zwischen der durch Erdreich geschützten Kanalsohle und jenem Bereich, der durch die Tunnelführung nach unten offen ist“. Dadurch kam es zu thermischen Spannungen, die letztendlich zu Rissen in der Betonsohle des Kanals führten.

Sorgfältiger Rückbau

Bevor man die Risse im betonierten Kanal sanieren konnte, musste der Dichtungsaufbau der im Jahr 2016 eingebauten zusätzlichen Abdichtung entfernt werden. Eine Lösung mittels Abbruchbagger im Kanal wurde schnell verworfen, da die bestehende Kanaldichtung aus Beton dieser Belastung vermutlich nicht standgehalten hätte. Die Lösung wurde in der Kombination von „David“ und „Goliath“ gefunden. „David“ war ein im Kanal befindlicher Schreitbagger mit nur 15 Tonnen Einsatzgewicht. Damit konnte der aus Sandmatten sowie Kunststoffdichtungsbahnen und betongefüllten Matten bestehende Aufbau gefühlvoll gelöst werden. Für das Ausheben der Materialien kam dann „Goliath“ zum Einsatz – ein Raupenkran mit etwa 1.000 Tonnen Einsatzgewicht und einem 140 Meter langen Ausleger. Durch die Länge des Auslegers und der Mobilität durch das Raupenfahrwerk konnte der gesamte Baustellenbereich von rund 150 Metern Länge abgedeckt werden. Doch wie sollte der Kran den Dichtungsaufbau übernehmen können? „Als einzige Lösung kam hier ein umgebauter und ferngesteuerter Sortiergreifer mit Hydraulikaggregat infrage“, erklärt Altschäffl. Weiters sei auch noch ein Absenken des Wasserstands im Kanal um rund vier Meter auf maximal zwei Meter notwendig gewesen. Sonst hätte der Baggerfahrer nasse Füße bekommen. Die Differenzwassermenge konnte in dieser Zeit über die Isar umgeleitet werden.

Auf diese Weise wurden insgesamt etwa je 5.000 Quadratmeter Sandmatten und Kunststoffabdichtungsbahnen zurückgebaut. Weiters mussten auch 64 betongefüllte Geotextilschläuche mit einem Durchmesser von rund einem Meter und einer Länge von rund fünf Metern mit dem Kran ausgehoben werden. „Diese Elemente mit einem Gewicht von etwa zehn Tonnen dienten als Auflast zur Sicherung der Kunststoffdichtungsbahn in den Kehlen des Kanals, beschreibt Altschäffl weitere Details.

Innovatives Sanierungskonzept

Parallel zum Rückbau kamen Industrietaucher zum Einsatz. Deren Aufgabe war zunächst das Reinigen des freigelegten Kanals mit Hochdruckspülanlagen. „Im Anschluss wurden die Risse mittels unterwassertauglichem Injektionsmörtel verfüllt. Auf die Frage, warum der Kanal nicht vollständig entleert werden konnte, weiß Altschäffl zu antworten, dass das nicht möglich gewesen sei, weil eine Restwassermenge für die Kühlung des Heizkraftwerks München Nord benötigt worden war. Als „Gleitschicht“ über der abgedichteten Betonsohle wurden entlang der Kehlsohle mit Bentonitsand gefüllte Schläuche verlegt. Die mit einem Langarmbagger – unterstützt durch den Schreitbagger – verlegten Schläuche haben eine Einzellänge von etwa vier Metern und einen Durchmesser von ungefähr 25 Zentimetern. „Darüber kamen dann noch einmal zwei Meter breite Bentonitsandmatten, die in Flussrichtung mittig auf der Kehle eingebaut wurden“, beschreibt Altschäffl und fügt hinzu, dass Bentonit im Gegensatz zu Beton ein nicht aushärtender Baustoff sei. Darum habe dieses Material auch eine gute Wasseraufnahmefähigkeit, bleibe flexibel und bewahre sich dadurch auch die hervorragenden Eigenschaften als Dichtmittel. Anschließend wurde noch flächendeckend eine zwanzig Zentimeter dicke Unterwasserbetonsohle hergestellt.

Da während der Sanierungsarbeiten in den Wasserkraftwerken kein Strom produziert werden konnte, war die Bauzeit auf lediglich sechs Wochen beschränkt. „Dank des innovativen Konzeptes und dem Engagement der Mitarbeiter konnte die ohnehin knapp kalkulierte Bauzeit noch um eine Woche unterschritten werden“, freut sich Altschäffl.

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Markus Lackner

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Betonieren unter Wasser

17.11.2016 | Ende August begann das Felbermayr-Tochterunternehmen Hagn Umwelttechnik mit der Sanierung des trapezförmig ausgeführten Alzkanals im Südosten von Deutschland. Dabei kam ein patentiertes System zur Kanalabdichtung zum Einsatz. Unterstützt wurde das Projekt durch die Felbermayr-Bereiche Spezialtiefbau sowie Kranverleih und Bühnenvermietung.
Kanalsanierung an der Alz unter Wasser. © Felbermayr/Lackner © © Felbermayr/Lackner

Rund 18 Kilometer schlängelt sich der Alzkanal von Hirten bis Burghausen, um nach dem Passieren des  Kraftwerks in die Salzach eingeleitet zu werden. Mit dem Bau des Kanals wurde 1916 begonnen. Einige Abschnitte dieses für die Kühlwasser- und Stromversorgung des Industriestandortes Burghausen genutzten Bauwerks wurden bereits in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich saniert. Das jedoch sei die umfangreichste Sanierung aller Zeiten, weiß Michael Altschäffl von der Hagn Umwelttechnik zu berichten: „Wir haben den Auftrag für die Abdichtung eines etwa 1,5 Kilometer langen Teilstücks bekommen. Dabei kommen sogenannte Incomatmatten zum Einsatz“. Diese Matten ähneln einer überdimensionalen Luftmatratze und werden im Anschluss an das Verlegen an der Kanalsohle sowie den seitlichen Böschungen mit einem speziell fließfähigen Beton befüllt und bilden somit eine zweite Haut über der ursprünglichen Abdichtung.

Patent für Sohlenabdichtung

Eine besondere Problemstellung war aufgrund der hydrogeologischen Gegebenheiten vorhanden. So war etwa gut die Hälfte der zu sanierenden Strecke bis zu 1,7  Meter unter dem Grundwasserspiegel. „Deshalb gab es bis dato keine Möglichkeit den Kanal an dieser Stelle zu sanieren, denn ein Abpumpen des nachströmenden Grundwassers wäre nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand möglich gewesen. Erst durch den Einsatz der Incomatmatten und unseren Möglichkeiten unter Wasser betonieren zu können, gelang es, den Kanal zu sanieren und wieder abzudichten“, erklärt Altschäffl. Bevor allerdings die Arbeiten beginnen konnten, mussten noch  die vorhandenen Sedimente aus der Kanalsohle entfernt sowie die Böschungen von Algen gereinigt werden. Während der Kanalentleerung wurden Tausende Flossenträger abgefischt – diese bekamen in der Alz eine neue Heimat.

Verlegerampe für Kanalsanierung

Voraussetzung für das korrekte Verlegen der maßgeschneiderten Incomatmatten im trapezförmigen Kanalbett war die Herstellung einer Verlegeeinheit. „Diese Plattform wurde speziell in Bezug auf die Querprofile des Kanals entwickelt und in weiterer Folge mittels autocad gezeichnet. Die technische Umsetzung wurde in der Felbermayr-Werkstätte in Wels realisiert“, schildert Altschäffl den langwierigen Prozess des Projektes. Eine besondere Schwierigkeit dabei waren auch die wechselnden Breitenverhältnisse und Kurvenradien des Kanals. Letztendlich war es aber gelungen eine Verlegeeinheit zu bauen, die allen Anforderungen gerecht wurde. „Da das Zusammenbauen der Rampe im Wasser aufgrund des hohen Grundwasserspiegels nur durch den Einsatz von Tauchern möglich gewesen wäre, haben wir uns entschieden, die Einheit am Ufer vorzufertigen und mittels Mobilkränen einzuheben“, erläutert Altschäffl den Vorgang, bei dem Hebetechnik von Felbermayr und Wimmer zum Einsatz kam. Das Gesamtgewicht der Stahlkonstruktion betrug etwa 40 Tonnen. Inklusive der betongefüllten Incomatmatten auf der Rampe der Verlegeeinheit waren es insgesamt 60 Tonnen. Als Zuggerät kam ein Hydraulikbagger zum Einsatz. Auf diese Weise wurde ein etwa 1.000 Meter langer Kanalabschnitt unter Wasser und ein etwa 500 Meter langer Abschnitt im Trockenen abgedichtet. „Dank der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter und unserer Erfahrung kamen wir gut voran“, freut sich Altschäffl über die erfolgreiche Premiere.

Spezialtiefbau 

Für die Ertüchtigung eines Dükers sowie dem Beruhigungsbecken kam der Felbermayr-Bereich Spezialtiefbau zum Einsatz. Dabei ging es um das Verpressen von Rissen sowie die örtliche Schadstellenbeseitigung mittels Spritzbeton. Unterstützung fanden die Arbeiter durch die Beistellung vom Felbermayr-Bühnenverleih.

Ende Oktober konnten die Arbeiten nach etwa sechswöchiger Bauzeit abgeschlossen werden.

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Markus Lackner

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Felbermayr eröffnet neuen Standort nordwestlich von München

28.09.2016 | Die Felbermayr-Tochterunternehmen Wimmer Maschinentransporte und Hagn Umwelttechnik haben ein neues Zuhause. Am 23. September wurde der rund 40.000 Quadratmeter große Standort im Gewerbegebiet von Sulzemoos feierlich eröffnet. 
© Gemeinde Sulzemoos

„Es ist schon gewaltig, was hier in nur acht Monaten entstanden ist“, freut sich die Eigentümerfamilie Felbermayr über die zügige Fertigstellung des neuen Standorts. Groß ist auch die Freude bei den Chefs der Felbermayr-Tochterunternehmen Wimmer Maschinentransporte und Hagn Umwelttechnik: „Hier haben wir ideale Bedingungen, um die Anforderungen unserer Kunden bestmöglich zu erfüllen“, kommentieren Holger Stegmann von Wimmer Maschinentransporte und Michael Altschäffl von Hagn Umwelttechnik die Möglichkeiten auf etwa 10.000 Quadratmetern Büro-, Lager- und Werkstättenfläche.

Beispielgebender Standort

Unter den rund 250 Gästen wurden zahlreiche Kunden und Partner, aber auch Felbermayr-Führungskräfte begrüßt. Diese machten sich vor Ort ein Bild über das auf Spezialtransporte und Industriemontagen sowie Kranvermietungspezialisierte Unternehmen Wimmer. Die auf Deponiebau und Umwelttechnik spezialisierte Firma Hagn beeindruckte mit einem Kurzfilm über die Sanierung eines Kraftwerkkanals. Für den Geschäftsführer der Felbermayr Transport- und Hebetechnik und Mitinitiator des Standortes Sulzemoos Wolfgang Schellerer ist der Standort ein Meilenstein: „Die Entwicklung des Unternehmens Wimmer, seit der Übernahme vor fünf Jahren, ist beeindruckend, aber auch beispielgebend für viele andere erfolgreiche Bereiche“.

Fest für Familien

Der Nachmittag des Eröffnungstages war den Familien der rund 150 Mitarbeiter am Standort gewidmet. Umgeben von Hüpfburg und Luftballonstart konnten sich die zahlreichen Kinder ein Bild vom Arbeitsplatz ihrer Eltern machen. Und wer weiß, vielleicht wird daraus auch einmal ein neuer Felbermayr-Mitarbeiter, der die Geschichte des Welser Familienunternehmens fortschreibt.

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Markus Lackner

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Neuer Standort in Sulzemoos

20.11.2015 | Das international tätige Transport-, Hebetechnik- und Bauunternehmen Felbermayr konzentriert die Aktivitäten seiner Tochterunternehmen Wimmer Maschinentransporte und Hagn-Umwelttechnik in Sulzemoos/Landkreis Dachau. Der Spatenstich für das etwa 9.500 Quadratmeter umfassende Industrieobjekt fand am 29. Oktober statt. Bereits Ende Mai 2016 sollen am neuen Standort rund 130 Mitarbeiter ihre Arbeit aufnehmen.
Kraftvoll beim Spatenstich (v. l.): Josef Kreuzer (externe Projektsteuerung), Michael Altschäffl (Niederlassungsleitung Hagn Umwelttechnik), Bürgermeister Gerhard Hainzinger, Seniorchef Horst Felbermayr, DI Horst Felbermayr, 2. Bürgermeister Johannes Kneidl, Holger Stegmann (Niederlassungsleitung Wimmer Maschinentransporte), 3. Bürgermeister Paul Schmid und Bauamtsleiterin Csilla Keller-Theuermann.

„Wir freuen uns sehr gemeinsam mit der Gemeinde Sulzemoos dieses Projekt realisieren zu können“, sagt Geschäftsführer DI Horst Felbermayr vom gleichnamigen Familienunternehmen mit Sitz im oberösterreichischen Wels und kommentiert weiter: „Zum einen ist es die strategisch gute Lage, welche die etwa 30 Kilometer nordwestlich von München gelegene Gemeinde Sulzemoos zur ersten Wahl werden ließ, zum anderen die gute Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister und den Vertretern der Gemeinde.“ Das erworbene Grundstück ist etwa 2,8 Hektar groß und befindet sich im direkt an der A8 gelegenen Gewerbegebiet. Bis Mai sollen hier im ersten Bauabschnitt ein zweistöckiges Büroobjekt mit 1.400 Quadratmetern sowie ein Lager mit angeschlossener Werkstätte mit rund 6.500 beziehungsweise 1.600 Quadratmetern entstehen. Aber auch ein 100-Tonnen-Hallenkran sowie eine Tankstelle für Firmenfahrzeuge mit Waschstraße gehören zur Infrastruktur der neuen Felbermayr-Niederlassung.

 

Synergien am neuen Standort

 

Bezogen wird das Objekt von den stark expansiven Felbermayr-Tochterunternehmen Wimmer Maschinentransporte und Hagn Umwelttechnik. Sowohl für das auf Sondertransporte und die Montage von hochkomplexen Industrieanlagen spezialisierte Unternehmen Wimmer, als auch für das auf Wasser- und Deponiebau spezialisierte Unternehmen Hagn ergeben sich durch die Zusammenführung Synergien wie beispielsweise die gemeinsame Nutzung der Tankstelle und der Büroinfrastruktur. Für den Leiter der Hagn-Umwelttechnik Michael Altschäffl sei durch die Intensivierung von Berührungspunkten künftig auch eine operative Zusammenarbeit der beiden Unternehmen vorstellbar. Holger Stegmann von Wimmer freut sich darüber hinaus auch über die Ausweitung seines Dienstleistungsportfolios, denn nicht zuletzt aufgrund des neuen Geschäftsbereichs Kranvermietung werden die erweiterten Platzverhältnisse dringend benötigt.

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Markus Lackner

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Klärschlammdeponie wird Naherholungsgebiet

05.08.2015 | Im Jahr 2009 begann das Felbermayr-Tochterunternehmen Hagn-Umwelttechnik mit den Sanierungsmaßnahmen der Klärschlammdeponie im Norden von München. Dabei wird auf einer Fläche von etwa 17 Hektar eine neue Abdichtung hergestellt und somit künftig die Bildung von Sickerwasser vermieden. Dadurch wird zum einen die kostspielige Wartung des Drainagesystems obsolet und zum anderen auch ein wertvolles Naherholungsgebiet geschaffen.
Die Fertigstellung der Baustelle ist für 2017 geplant.

Bis 2005 wurde auf der Deponie Nord der Klärschlamm der beiden Münchner Klärwerke gelagert und anschließend mit einer Schicht aus Roh- und Oberboden sowie Lehm abgedichtet. Die bodenseitige Abdichtung erfolgte mittels Asphaltwanne. Da die Lehmschicht aber zum Teil durch die Vegetation durchbrochen wurde und somit vermehrt Sickerwasser in das dadurch überlastete Drainagesystem gelangte, war eine Sanierung nach dem heutigen Stand der Technik unausweichlich.

 

Innovative Deponieabdichtung

 

„Wir haben derzeit 35 schwere Geräte im Einsatz“, sagt Bauleiter Thomas Henninger von der Hagn Umwelttechnik. Das Angebot reicht dabei von bis zu 20 Kubikmeter fassenden Gelenksmulden bis hin zu 15 Tonnen schweren Walzen, GPS-gesteuerten Baggern und Planierraupen sowie mobilen Brechanlagen zur örtlichen Herstellung von benötigtem Drainagematerial. Aber auch eine Mischanlage zur Produktion von Bentokies wurde errichtet. „Dieses Material ist auch das Herzstück der sieben Schichten umfassenden neuen Deponieabdichtung“, erklärt Henninger. Dabei handelt es sich um ein in der Natur vorkommendes Tonmineralgemisch, das mit Kies veredelt wird. Dieses Material ist wasserundurchlässig und hat eine hohe Quellfähigkeit. „Somit können sich beispielsweise durch Bodenbewegung entstehende Risse ohne maschinellen Eingriff von selbst wieder verschließen“, erklärt Henninger die Vorteile dieses innovativen Baustoffs. Die erste der sieben Schichten oberhalb des Deponats ist aber eine Ausgleichs- und Tragschicht aus Klärschlammmasche. Darüber folgt eine kapillarbrechende Schicht aus mineralischem Material und darüber die eigentliche Abdichtung aus zwei Lagen Bentokies. Darüber ist die Dränschicht aus Kies, welche ankommendes Oberflächenwasser kontrolliert abführt. Darauf aufbauend folgt die drei Meter hohe Rekultivierungsschicht, bestehend aus hochverdichtetem Kies als Wurzelhemmer sowie Roh- und Oberboden. „Diese Schichtdicke wurde gewählt, um ein erneutes Durchwurzeln der Abdichtung zu verhindern“, erklärt Henninger. Bei den eingesetzten Materialien handelt es sich vorwiegend um sogenannte Deponieersatzbaustoffe, wie zum Beispiel gebrauchten Gleisschotter, Bauschutt und Straßenaufbruchmaterial. Das ist möglich, weil die Dichtungsschicht alles Darunterliegende zuverlässig verschließt. Als letzter Arbeitsschritt erfolgt die Begrünung. Dabei wird auch schon die Nachnutzung als Naherholungsgebiet umfangreich berücksichtigt.

 

Nachsorge

 

Die Fertigstellung der Bauarbeiten ist für 2017 geplant. Dann wird es noch einige Jahre dauern, bis ein Großteil des Sickerwassers aus dem Deponiekörper über das Dränsystem abgeschieden sein wird. Ab dann soll auch die aufwendige Behandlung im nahegelegenen Klärwerk deutlich reduziert werden. Anfallendes Oberflächenwasser wird über die Begleitgräben des Deponiewegenetzes bis zu eigens dafür vorgesehenen
Versickerungsbecken geleitet. Bis aber die Deponie als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung freigegeben werden kann, werden nach Ansicht der Münchner Stadtentwässerung noch einige Jahrzehnte vergehen. Dann allerdings wird dem 30 Meter hohen Hügel seine Vergangenheit nicht mehr anzusehen sein. Standorttypische Baumarten werden sich mit heimischen Sträuchern und Magerwiesen abwechseln. Erholungssuchenden wird somit der Blick auf das nahegelegene Fußballstadion und die Alpen aufgewertet – aus einer ehemaligen Klärschlammdeponie entsteht eine Kulturlandschaft. Somit ist die Sanierung der Klärschlammdeponie nicht nur ein technisch anspruchsvolles Projekt, sondern bietet auch für Fauna und Flora in Form von Rückzugsgebieten und Flächengewinn erheblichen Mehrwert für viele Generationen.

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Markus Lackner

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Revolutionäre Gewässerabdichtung für Isarkanal

12.08.2013 | Anfang März begann das Felbermayr-Tochterunternehmen Hagn Umwelttechnik mit der Sanierung des Isarkanals nördlich von München. Erstmals wurde dabei der Beton zur Sohlendichtung unter Wasser und bei Strömung eingebaut. Das dazu entwickelte Verfahren hat sich bestens bewährt und wurde zur Patentierung angemeldet.
© Markus Lackner

Seit der Fertigstellung des Isarkanals sind rund 80 Jahre vergangen. Zweck des über weite Strecken parallel zur Isar geführten Kanals ist die Stromgewinnung – sieben Kraftwerke nützen ein Gefälle von etwa 100 Metern. Das erlaubt eine jährliche Stromproduktion von etwa 130 Megawatt. Im Zuge einer Inspektion des etwa 64 Kilometer langen Kanals wurden auf einigen Teilstrecken sanierungsbedürftige Schäden bekannt. Dabei handelt es sich größtenteils um altersbedingte Erosionserscheinungen an der Betonoberfläche und in der nicht betonierten Erdsohle. Um auch weiterhin die Dichtheit des Kanals sicherzustellen, standen umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an. Felbermayr wurde mit zwei insgesamt drei Kilometer langen und bis zu vierzig Meter breiten Kanalabschnitten beauftragt.

 

„Betonmatratze“ als Dichtungselement

 

„Da die Trockenlegung des Kanals nur mit sehr hohem technischen Aufwand möglich ist und auch die Stromproduktion während der Sanierungsarbeiten fortgesetzt werden sollte, war die Aufgabenstellung sehr schwierig“, erinnert sich der Leiter der Hagn-Umwelttechnik Michael Altschäffl. Es musste ein System entwickelt werden, das bis zu sieben Meter unter der Wasseroberfläche eingebaut werden kann, aber dennoch die hohen Qualitätsanforderungen des Auftraggebers erfüllt. Die Wahl fiel schluss­endlich auf das System einer wabenartig aufgebauten Luftmatratze, die unter Wasser verlegt und anschließend mit Beton verfüllt wird. Diese textilartig aufgebauten Matten werden zwar schon länger im Tiefbau verwendet, der korrekte Einbau unter Wasser und bei Strömung erfordert allerdings spezielle Maßnahmen und ist nur sehr schwer zu bewerkstelligen.

 

Die Bauphasen

 

Vor dem Einbringen der vollflächig dichtenden Betonmatratzen musste noch der Untergrund aufbereitet werden. Zu Beginn wurden die Uferbereiche gereinigt und dann mit der Profilierung der Böschungen sowie der Gewässersohle fortgesetzt. „Dafür kamen Baggerstelzenpontons und GPS-gesteuerte Langstielbagger zum Einsatz“, erklärt Altschäffl. Um die Sohle exakt für das Verlegen der Matratzen vorbereiten zu können, wurden zuvor noch digitale Geländemodelle erstellt – dank der GPS-gesteuerten Bagger konnten diese am Computer errechneten Werte exakt auf das Flussbett übertragen werden. Mittels Klappschute wurden die entnommenen Sedimente anschließend etwa zwei Kilometer stromaufwärts transportiert und in einem Labor auf seine Belastung hin untersucht und anschließend entsorgt. Da der Kanal schon im 2. Weltkrieg bestand, wurden die Baggerarbeiten auch von Sprengstoffexperten begleitet. Für das Verlegen der Matratzen kam ein spezielles Verlege-Ponton zum Einsatz. Auf diesem etwa 30 Meter breiten und 60 Meter langen Ponton wurden die Dichtungsbahnen in der Breite der Gewässersohle aufgelegt und anschließend mit Beton verfüllt. Durch Verfahren des Pontons wurde dann die gefüllte Matte auf der Gewässersohle abgelegt. Die Mattensegmente für die beiden Böschungen wurden gleich mitverlegt, blieben aber noch der Länge nach aufgewickelt. Sie wurden erst unter Wasser, durch den Einsatz von Tauchern, an der Böschung verlegt und ebenso mit Beton verfüllt. „Da es keine praktischen Erfahrungswerte gab, auf die wir zurückgreifen hätten können, hat es etwas gedauert, bis die Baustelle ins Laufen kam“, bemerkt Altschäffl, der bis zu 130 Mitarbeiter gleichzeitig vor Ort hatte. So war beispielsweise auch der Beton über bis zu 80 Meter weit und zum Teil unter Wasser zu pumpen. Aber auch das Hochwasser und die extremen Temperaturen im Sommer forderten Team und Material. „Schlussendlich ist es uns aber gelungen, die Baustelle bis zum vereinbarten Termin im Oktober fertigzustellen“, freut sich Altschäffl und ist zuversichtlich, mit diesem neuen Verfahren auch beim Patentamt erfolgreich zu sein.

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Hagn Umwelttechnik GmbH · Franz-Hagn-Straße 5 · D-82140 Olching · www.hagn-umwelttechnik.de
20.02.2019